Home
Unsere Hunde
Auf 2 bis 3 Rädern
Suzuki GN 250
Projekt GNX
GN-Velorex-Gespann
Einrad für Dreirad
Das fünfte Rad
Kontakt
Fotogalerie


Ein Einspurmotorradanhänger...





 


Bis zum Foto oben war es ein recht steiniger Weg. Aber lest selbst...

Bei meinen gelegentlichen Streifzügen durch ebay blieb ich Anfang November 2008 bei einem ganz besonderen Gefährt hängen. Einem tschechischen Einradanhänger vom Typ PAV 40. 

Dieser Anhänger ging für über 500 Euro an seinen neuen Besitzer, ich bot allerdings nicht mit, da dieses mein Budget deutlich überschritten hatte. Ich war aber infiziert worden von einer gewissen Begeisterung über dieses ulkige Vehikel. So machte ich mich im Internet auf die Suche nach Informationen zu diesem Fahrzeug. Allzu viel scheint es nicht davon zu geben,aber ausreichend genug, um sich einen Überblick zu verschaffen. 

Eine recht gute Seite zum Thema PAV ist diese: Singlewheel.com

Diese Einachs-Einrad- Einspuranhänger wurden in den frühen 60er-Jahren bis etwa 1973 gebaut und waren ursprünglich dafür gedacht, das Stauvolumen an Jawa-Motorrädern zu erhöhen. Sie wurden aber auch mit Cezeta-Motorrollern gepaart. Die Karosserieform des PAV ähnelt auch etwas der eines frühzeitlichen Motorrollers. Diese Anhänger, die es als PAV 40 und PAV 41 gab bzw. noch gibt, scheinen sich in letzter Zeit wieder einer wachsenden Beliebtheit zu erfreuen. Viele dieser Blechgesellen haben wohl auch den Weg nach Übersee gefunden und werden auch an Harleys drangehängt.





 


Oben: Auszug aus der Bedienungsanleitung

Und eben einen solchen PAV 40 oder PAV 41 konnte ich mir auch sehr gut an meinem Gespann vorstellen. So machte ich mich auf die Suche und inserierte auch in diversen Motorradforen. Innerhalb kurzer Zeit wurde mir dann ein PAV-Anhänger angeboten.

Dieses Angbot konkurrierte mit einem weiteren aus der Tschechoslowakei. Diesen hätte ich entweder per Vorkasse zahlen müssen, um ihn mir dann schicken zu lassen, oder selber abholen und rund 1800 Kilometer abspulen müssen.

Daher entschied ich mich für das erste Angebot. Am 06.12.2008 machte ich mich auf dem Weg in die Nähe von Nürnberg um meinen Neuerwerb abzuholen. Der Vorbesitzer war sehr nett, der PAV in brauchbarem Zustand und so wurden wir uns schnell handelseinig.


Bild: Die Ausgangsbasis, in diesem Zustand befand sich mein Anhänger.

 
Meinem neuen einrädrigen Gesellen sah man sein Alter von fast 40 Jahren schon an. Einer der beiden Seitenarme war deutlich verbogen, die Reflektoren samt Haltern fehlten, der Lack nicht mehr original und wohl eher aus einer Spraydose, der Blechkorpus hatte einige Beulen, genauso wie der Deckel, der auch einige unschöne Bohrlöcher von früheren Anbauten hatte. Aber der Kaufpreis war mehr als fair. Insofern lag also eine gute Ausgangsbasis vor, um meine japanisch-tschechische Dreiradallianz um ein Tschechenkind zu erweitern. 

In den nächsten Wochen machte ich mich daran, meinen PAV zu zerlegen und den Rahmen und die Felge zu entlacken. Dabei kam einiges an Rost zum Vorschein.


Bild: Der nackte und entrostete Rahmen von meinem PAV


Dieses Bild zeigt schematisch den recht simplen Aufbau vom Fahrwerk.

Zwischenzeitig besorgte ich mir auch diverse Ersatzteile, da der miterworbene neue Reifen wohl keinen passenden Geschwindigkeitsindex besaß und vermutlich eher für eine Schubkarre bestimmt war. Das wurde auch deutlich, als ich die Wandungsstärke und das Gewicht des abgefahrenen spröden Originalreifens mit dem Ersatzreifen verglich. 

Einen Einspuranhänger mit behördlichem Segen an ein Motorrad zu koppeln, ist in Deutschland nicht ganz einfach bzw. verhältnismäßig kostspielig.

Diese Anhänger ist zwar steuerfrei, versicherungsfrei und zulassungsfrei, aber betriebserlaubnispflichtig. Um ihn an ein Motorrad hängen zu dürfen, bedarf es einer geprüften und vom TÜV abgenommenen Zugvorrichtung am Motorrad. Und diese Zugvorrichtung muss aus einem Kardangelenk bestehen, sonst würde der Anhänger zur Seite wegkippen. D.h. im Umkehrschluss, dieser Anhänger legt sich bei einem Solo-Motorrad mit in die Kurve!

 

Meine Bemühungen zum Erhalt einer Betriebserlaubnis und zur Realisierung einer Zugvorrichtung waren mit einer gigantischen Odyssee verbunden. In den diversesten Internetforen, Interessengemeinschaften und anderen Informationsquellen trug ich alles zusammen, was mir bei meinem Projekt behilflich sein könnte. Dabei lernte ich auch ein paar sehr nette und hilfsbereite Leute kennen. 

Je umfangreicher die gesammelten Infos wurden, desto widersprüchlicher wurden auch die Aussagen zu den verkehrsrechtlichen Bestimmungen und den TÜV-technischen Anforderungen.

 

Exemplarisch gebe ich hier mal ein paar gesammelte Aussagen wieder (teils richtig, teils unrichtig!)
 

-Einen Einradanhänger kann man nicht an ein Gespann koppeln, nur an einspurige Motorräder =falsch! 

- Für den Erhalt einer Betriebserlaubnis muss man den Anhänger zusammen mit dem ziehenden Motorrad beim TÜV vorstellen = falsch! 

- Die Kosten für eine Betriebserlaubnis übersteigen ja fast den Anschaffungspreis des Anhängers = falsch 

-Es gibt keine bauartgeprüften und eintragungsfähigen Zugvorrichtungen zu kaufen, man muss die selber bauen (lassen) und im Rahmen einer überaus teueren Einzelabnahme eintragen lassen (weit mehr als 1000 Euro) = jein,     fix und fertig zu kaufen in dieser Richtung gibt es nichts, die Kosten sind aber längst nicht so hoch. Prüfgebühren selber aber rund 100 Euro.
 

-Ein Motorrad mit Anhänger darf nicht schneller als 60 km/h fahren und deshalb nicht die Autobahn benutzen = falsch! Könnte aber schneller als 60 km/h und darf auf die Autobahn, das Tempolimit gilt aber tatsächlich! 


Eine Betriebserlaubnis für meinen PAV habe ich inzwischen!


Das Bild zeigt meinen PAV mit neuem Rücklickt, grundiertem Deckel und Kotflügel und mit neuen Rückstrahlern sowie einem Nummernschild, Stand Ende Dezember 08.



Das nächste Bild ist eine Fotomontage und zeigt den Umbau des Anhängers zum "Hundetransporter". Statt des Blechdeckels soll eine umlaufende Scheibe mit einem Rollverdeck befestigt werden.


Update:

Die Anhängerkupplung, der nächste Schritt...

 

Für eine TÜV-konforme Zugvorrichtung des PAV hatte ich unzählige Telefonate geführt, Mailanfragen gehalten und Websites besucht.
Einer der Hauptknackpunkte ist dabei der Umstand, dass der TÜV eigentlich eine Herstellerbestätigung des Motorradherstellers fordert, in dem etwas zur zulässigen Anhängelast ausgesagt wird. Da die heutigen Motorräder für Anhängerbetrieb nicht mehr ausgelegt sind, gibt es dazu quasi auch keine brauchbaren Angaben. Jedenfalls nicht von Suzuki für die GN 250.
 
Eine selbstkonstruierte Zugvorrichtung birgt das Problem, dass der TÜV in der Regel ein Materialgutachten bzw. ein Festigkeitsgutachten haben will. Ohne ganz besondere Kontakte oder einen sehr willigen TÜV-Prüfer ist da wohl nichts zu machen. 

Die speziellen Einspuranhängerkupplungen, die von den wenigen auf dem Markt vertretenen Firmen für ihre Anhänger angeboten werden und die auch eintragungsfähig sind, belaufen sich von den Kosten auf ca. 450-500 Euro. Dazu muss aber die PAV-Zugdeichsel modifiziert werden. Zu teuer für mich, um mich damit arrangieren zu können.

 

Ein Gespannbauer konnte mich im davon überzeugen, dass es Sinn macht und vielseitiger ist, in der Konstellation „Einspuranhänger und Gespann“, den PAV nicht in der konventionellen Variante am Motorradheck zu befestigen. 

So war die Idee geboren, eine Anhängerkupplung zum Einsatz zu bringen, mit der man sowohl die herkömmlichen zweispurigen Anhänger (Kugelkopf) ziehen kann, als auch den einrädrigen PAV (Kardangelenk). Der besondere Reiz für mich war die fahrzeugmittige Anordnung des PAV hinter dem Gespann und die Vielseitigkeit dieser Lösung.
 

Am 10. März bin ich rund 170 Kilometer bei Dauerregen mit dem PAV im Beiwagen zu meinem Gespannbauer angereist.  Er hatte mir die Anhängerkupplung Wochen vorher als Bausatz geliefert und nun wickelte  er die Abnahme für mich ab.

Am 11.03.09 ging es dann zum TÜV. Mehrere Bremsversuche mit 3 Mann Beladung und angehängtem Autoanhänger wurden mit einem Verzögerungs-Messgerät aufgezeichnet und ausgewertet. Die Resultat waren dabei sehr ordentlich und so wurde nicht nur die wahlweise Nutzung der Anhängerkupplung (Kugelkopf oder Kardan, bzw. PAV-Gelenk), sondern auch eine zulässige Anhängelast von 100 KG eingetragen.



 


Bild oben: Stunde der Wahrheit, die Bremsversuche, über 560 KG sind hier am Rollen...

So hatte ich nun endlich das, was ich wollte. Eine Probefahrt mit unserem Rocko im Anhänger habe ich auch schon absolviert (Bild unten). Der Kanzelaufbau ist inzwischen auch beendet und es steht nur noch die passende Lackierung  des Anhängers aus.


Bilder vom fertigen Resultat werde ich später dann noch hier einstellen.Auf dem Bild oben ist noch nicht die endgültige Lackierung und das nicht fertige Verdeck zu sehen.

 

Bei der ganzen Aktion habe ich wieder eine  Reihe sehr netter Leute kennen und schätzen gelernt.

Mein besonderer Dank gilt der Gespannbaufirma Vitus Bülter aus Grävenwiesbach für die super Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und qualifizierte Abwicklung.


Bild oben: Anhängerkupplung mit Kugelkopf


Bild oben: Anhängerkupplung mit angehängtem PAV


Bild Oben: Das GN-Gespann mit PAV, diesmal die geschlossene Variante mit dem Deckel des Anhängers.


Stand 28.03.2009

Die Blechteile sind vom Lackieren zurück und fertig montiert. Die nachfolgenden Bilder zeigen mein Gespann mit PAv-Anhänger bzw. Pav-doggy-Trailer.






Bild oben: Der Schrägstand des Anhängers reguliert sich bei besetztem Motorrad, dann steht er gerade.



Bild oben: Der Aufsatz für den Hund, geschlossene Variante für schlechtes Wetter


Bild oben: Die "Cabrio-Version" für Schönwetterfahrten.


Bild oben: Der erste Ausflug mit kompletter Besatzung.






Hier ein kleines Video: http://www.youtube.com/user/GespannRalli?blend=2&ob=5#p/u/0/C3ViwawDiLE

Mein Freund Hans hat, inspiriert durch meinen Hundeanhänger, auch einen PAv für seine
Virago in neuem Glanz erstrahlen lassen und ihn für den Transport seines Hundes Arko
etwas modifiziert mit Scheibe und Persenning. Eine sehr gelungene Zusammenstellung.
Optisch sehr ansprechend!

Der PAv ist ordentlich zugelassen, mit steuerfreiem grünen Kennzeichen und Tüv- Plakette,nicht wie in Deutschland üblich mit Nachfolgekennzeichen! Da treibt die Bürokratie ihre Stilblüten!

Story im Hintergrund:

Auch hier hatten meine Töchter und meine Frau wieder ihre Finger mit im Spiel.

Der Beiwagen trägt ja den Spitznamen "Appa", benannt nach einer Comicfigur. Dieses Figürchen ziert(e) schon den Frontfender und das Motiv dieses fliegenden Bisons ist als  Aufkleber am Beiwagen montiert.

Was lag also näher, als dem Anhänger eine weitere Charaktere aus dieser Comicserie (Avatar- Der Herr der Elemente) zuzuordnen. Also heißt der PAV nun "Momo". Momo ist ein fliegender Lemur, seine Figur ist am Kotflügel des kleinen Anhängers zu sehen.



Ebenfalls eine sehr gelungene Kombination aus Motorrad und Anhänger




 

 
Top