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Auf den oberen Bildern ist das Gespann im aktuellen Zustand zu sehen.

Bis hierher war es aber ein recht langer Weg...

Seit 2002 fasziniert mich der Gedanke, solch eine GN mit einem Seitenwagen zu koppeln. Die eingeholten Informationen bei Händlern, TÜV und Gespannbau-Firmen waren dann letztlich immer sehr ernüchternd. Zu aufwändig, zu hohe TÜV-Hürden, zu teuer... Dabei hatte ich immer das Klischeebild eines Motorrades mit Seitenwagen, Kind und Hund darin vor Augen. Meine regelmäßigen ebay-Beobachtungen beinhalteten auch immer den Suchbegriff "Velorex".

Tja, inzwischen ist aus diesem Traum Wirklichkeit geworden. Quasi ganz plötzlich, von heute auf morgen. Dann noch mit Optionen, die die Sache geradezu unwiderstehlich für mich machten: Ein Suzuki GN 250-Velorex-562-Gespann. Anzahl der eingetragenen Sitzplätze 3! Wahlweiser Solobetrieb des Motorrades möglich!  Sicher hätte ich für relativ kleines Geld auch ein MZ-Gespann oder ein Russengespann kriegen können. Aber ich wollte neben der Katana und der GN nicht noch eine 3. Spezies. Im August 2007 war es dann endlich soweit. Der Kauf war perfekt, die Überführung mit roter Nummer stand an.


So präsentierte sich das GN-Gespann am Tag des Kaufes


Ich muß sagen, dass ich noch nie vorher ein Gespann gefahren bin und mir im Vorfeld nur Erfahrungsberichte aus dem Internet zu Gemüte geführt habe.

Mir war klar, dass eine GN mit 17 PS, behangen mit einem Seitenwagen alles andere als schnell sein würde, dass das Fahrverhalten vollkommen anders sein würde, dass es aber auch verdammt viel Spaß machen würde. Nach einer klitzekleinen Probefahrt wurde aus der vagen Vermutung nüchterne Einsicht. Ein Gespann fährt sich absolut anders, irgendwie unkontrollierbar, zieht nach rechts, schiebt nach links, etc. So, nun hatte ich 140 KM Heimreise vor mir, von Olpe bis Kassel. Meine Frau und meine Töchter, die mich mit dem PKW zur Kaufabwicklung gebracht hatten waren aufgrund einer Probe fahrt mit dem Vorbesitzer jedenfalls begeistert, wenn auch skeptisch: Meist du ehrlich, du kommst heil zu Hause an?

Dann noch diese Strecke vor mir: Sauerland, Berge, Kurven über Kurven, Winterberg, kahler Asten, Mühlenkopfschanze...Einsetzender Regen kam noch dazu.

Nach 5 Kilometern glaubte ich noch, oh je, auf was hast du dich da eingelassen, du brauchst mindestens 3 Fahrpausen bis nach Hause. Nach 10 Kilometern kam wieder die Sonne raus. Nach 70 Kilometern: Ist ja gar nicht so schlimm, das Gespannfahren. Ab dem hundertsten Kilometer: ey, das macht ja Spaß... Ab dem 120.Kilometer stieg zum ersten mal das Beiwagenrad in einer Rechtskurve gen Himmel. Ich bin die 140 Kilometer in einem Rutsch durchgefahren und gut zuhause angekommen. Fazit: Einfach geil, die Leute gucken, als wäre es ein Oldtimer, man wird erstaunlich selten überholt, die Autos bleiben sonderbarerweise meist hinter einem – das hatte mir der Vorbesitzer schon prophezeit.Ein besonderer Dank gilt dem Vorbesitzer und seiner Familie. Ein solches Maß an Freundlichkeit, Entgegenkommen  und Hilfsbereitschaft habe ich beim Motorradkauf noch nicht erlebt!


Glücklich zuhause gelandet - nach der Überführungsfahrt.

Da das Gespannfahren eine echte Familienaktivität in den letzten Herbstwochenenden gewesen ist, freuen sich Frau, Töchter, unser Hund und natürlich auch ich, auf die in Kürze für beginnende Saison. Aber zuvor stand noch sehr viel Arbeit an...


In Anbetracht des fairen Preises nahm ich die suboptimale Optik und einen deutlichen Restaurationsbedarf gerne in Kauf.



Der Kotflügel war stark vom Rost angefressen, die Serienbeleuchtung nicht wirklich ein Augenschmaus... Das Einstiegsblech deutlich zu klein und verbogen



Die Beschichtung am Unterboden war schon mit Bitumen (ein Sauzeug...!) ausgebessert, bzw. abgeplatzt


Hilfsrahmen und Motorradrahmen erzählten von salzhaltigen Winterfahrten


Das Rücklicht erinnerte stark an eine Baustellenlampe

 

In den ersten Wochen des Gespannfahrens konkretisierten sich dann  auch meine Bastelpläne den Beiwagen und das Motorrad  betreffend.

 

Die Liste im Einzelnen:

 

Am Motorrad:

Entrosten und Neulackierung des Rahmens

Neulackierung des Hilfsrahmens

Austausch der Auspuffanlage

Einbau eines anderen neuwertigeren Motors, polieren der Motor-Deckel

Anbau eines Tanks mit 4 Litern mehr Inhalt

Einbau von Koni-Federbeinen

Austausch des Lenkers und der Blinker

Verchromen diverser Anbauteile

Veränderung der Übersetzung

Neulackierung von Tank und Seitendeckeln

 

Am Beiwagen:

 

Vergrösserung des Einstiegs –d.h. Erstellen eines Gipsabdrucks vom beschädigten Scheibenrand, erstellen eines Formteil-Rohlings aus GFK, Absägen des alten Scheibenrandes, sowie eines Teils des Bootskörpers, anlaminieren, Spachteln, schleifen..)





Bootskörper mit Gipsabdruck vom Scheibenrand


Ausgesägter Scheibenrand und vergrösserter Einstieg, vorne liegt das neue GFK-Formteil


Neu anmodelliertes Formteil. Beim vergleich vom 1. zum 3. Bild wird der Platzgewinn deutlich. Noch mehr hat der später dann montierte neue Haltebügel an Raumgewinn geschaffen.



Verschliessen diverser überschüssiger Bohrlöcher.

Einbau einer Sitzverlängerung

Einbau eines günstiger geformten Haltebügels

Bau einer neuen Windschutzscheibe

Konstruktion eines Armaturenbrettes für Autoradio und Lautsprecher

Autoantenne

Neuverchromung des Gepäckträgers

Einbau einer Cockpituhr

Aussenspiegel

Bordsteckdose incl. USB-Buchse

Austausch der Druckknöpfe gegen Tenaxknöpfe

Austausch von Schwinge und Stoßdämpfer, sowie Beiwagenrad

Radlagerwechsel

Armlehnenanbau

Umbau vom Kotflügel incl. Beleuchtung

Verwendung einer grösseren Batterie zwischen Motorrad und Beiwagen

Anbau eines Lenkungsdämpfers

Ausbesserungsarbeiten an der Lackierung des Rahmens

Tieferlegung des Beiwagens

Neue Elektrifizierung

Bau eines doppelten Bodens für den Kofferraum

Aufarbeitung einer unansehnlichen Spritzschutzdecke

Anpassung eines Hochverdecks

Innenraumverkleidung mit Kunstleder

Neulackierung vom Boot

Anbau einer Stoßstange

 

Bis auf einen Überrollbügel ist alles realisiert worden in den letzten Wochen und Monaten. 

Die zulassungsrelevanten Änderungen (Lenker, Tank, Lenkungsdämpfer, etc) sind vom TÜV Hessen abgenommen worden und im KFZ-Schein eingetragen. Es soll ja alles seine Ordnung haben.
 

Ich hatte im Dreiradlerforum zahlreiche Fragen platziert, die immer beantwortet worden sind.

Aus den hinweisen Tipps und Anmerkungen habe ich die für mich machbaren Aspekte oder sinnvollen Hinweise aufgegriffen und bei der Realisierung der diversen Aufgabenstellungen berücksichtigt. Für die Hilfen aus diesem Forum an der Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die daran beteiligt waren. Den einen oder anderen Forumskollegen habe ich auf diese Weise auch persönlich kennen gelernt. 

Anregungen habe ich auf den wunderbar gestalteten Seiten von Bernhard Ernst erhalten, dessen Fuhrpark ich mir auch schon in Natura angesehen habe.


Sehr hilfreich war Vitus Bülter von der Firma Gespannbau Bülter in Grävenwiesbach.


Erwähnen möchte ich noch meine verständnisvolle Ehefrau, die dem Boot und dem Werkzeugkram in den Wintermonaten in Ihrer Waschküche eine Bleibe gegeben hat, Dreck und Gestank erduldet hat und die  u.a die Kosten für die Lackierung gesponsert hat!















Ostermontag wurde eine kurze Wolkenlücke genutzt für ein paar Fotos und eine erste Probefahrt mit Monja und Hund Rocko



Hier wacht jemand über den Batteriekasten, war ursprünglich mal eine Gürtelschnalle...



Anstelle der Spritzschutzdecke bieten unserer "Familienkutsche" bei Bedarf auch das gekürzte Hochverdeck Schutz vor Wind, Regen, Kälte





Ein sehr informativer Link ist die Webseite von Gespann-News.

Dieses Online-Magazin rund um das Thema Gespanne hat in seiner Ausgabe  Nr. 13/2008 über mein GN-Gespann berichtet.

Ende 2009 folgte dann noch ein Bericht über meinen Hundeanhänger zum Gespann (nachfolgende drei Bilder). Zum Thema Anhänger am Motorrad gibt es auf einer separaten Seite noch mehr zu lesen.





Kleines Update: Da mich das rote Kunstleder am Beiwagensitz schon immer gestört hat, wollte ich die farbliche Gestaltung unbedingt ändern. Dieses Rot paßte irgendwie nicht recht zum Braun der Lackteile. Ein Neubezug kam nicht infrage und so habe ich mich für das Lackieren der roten Flächen mit einer Spezial-Vinylfarbe entschieden. Ob es halten wird, wird sich zeigen.

Nachfolgend zwei Bilder von der neuen Farbgebung, wobei ich so "mutig?" war, auch den Sattel mit umzugestalten.



Für relativ kleines Geld und nicht zu hohe Ansprüche läßt sich mit der Suzuki GN 250 ein Dreirad auf die Beine stellen, dass sowohl im Alltagsbetrieb, als auch als "Funmobil" eine gute Figur macht.

Zum GN-Treffen 2008 in Neunkirchen hat das kleine Gespann an einem Wochenende über 750 Kilometer abgespult. Mit dem inzwischen gebremsten Seitenwagen fuhr es sich sehr entspannt.




Hier ein kleines Video von einer Gespannfahrt:

http://de.youtube.com/watch?v=w1w7Iu0Kdtw

Das Video ist bei YouTube eingestellt, die Urheberrechte liegen bei mir.


Im Laufe des Jahres 2009 hat das Gespann noch eine Anhängerkupplung bekommen und ein Kompressorhorn, damit ist es nun nicht mehr zu überhören.

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Die Story im Hintergrund...

Zeitgleich mit dem Gespannkauf herrschte bei meinen Töchtern eine absolute Begeisterung für die  amerikanische Zeichentrickserie "Avatar- Der Herr der Elemente". Einer der Filmcharaktere, ein fliegender Bison mit dem Namen "Appa", inspirierte meine Damen hinsichtlich der Namensgebung und der Optik für unser neues Familiengefährt.


Der fliegende Bison, das Lastentier - Appa - , so schaut es aus



Unser Gespann sollte auch Appa heissen und von der Farbgebung ähnlich aussehen. Meine Tochter Carina hat hierzu am Computer ein Design entworfen:


Letzlich wurde die Gestaltung doch etwas moderater, aber der Wunsch meiner Familie hat dann doch seine Spuren hinterlassen...




 
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